Wenn du geredet hättest, Abel! Heilige Familie vom 10.05.


Wenn du geredet hättest, Abel!

„Kain, großer Bruder, du bist zornig und dein Gesicht hat sich gesenkt. Ich versteh dich. Gott nahm dein Opfer nicht an, deine Feldarbeit blieb erfolglos. Meine Tiere warfen dagegen prächtig. Du hast nicht weniger gearbeitet als ich und gingst doch leer aus.

Ich verstehe deine Wut. Aber warum richtet sie sich gegen mich? Weil ich erfolgreicher war als du? Natürlich gebe ich dir von meinen Ertrag ab. Es reicht für uns beide. Vielleicht kannst du deinen Vegetarismus ja etwas weniger genau nehmen.

Und noch etwas. Wie oft musste ich mir anhören, wie stolz unsere Mutter war, als sie dich gebar. Als Schöpferin verstand sie sich, in deinem Namen erklingt ihr Stolz. Und mein Name? Ein Hauch, ein Furz. Ich will kein geborener Verlierer sein und du sollst kein vom Leben betrogener Verlierer werden.

Ich will dein Bruder sein – schlag mir nicht darum den Schädel ein! Du bist stark genug mich zu töten. Aber du kannst mich nicht beseitigen. Man wird deinen Namen nie nennen ohne meinen. Lass uns gemeinsam streiten für eine Welt, in der man ohne Angst verschieden sein kann, in der Hirten und Bauern zusammen leben können – und unterschiedliche Geschwister auch!“

Jürgen Ebach

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