Die erstarrte Überlebende, Heilige Familie v. 22.02.


„Und Lots Weib sah hinter sich und ward zur Salzsäule“ – so lautet 1. Mose 19,26 in den Lutherbibeln. „Weib“ – das klingt heute, anders als noch bei Luther, verächtlich und bestärkt so den Eindruck, sie sei für eine Schuld bestraft worden. Gott hatte Lot eingeschärft, auf der Flucht nicht auf die Vernichtung der bösen Stadt Sodom zu schauen. Aber Lots Frau schaut – und erstarrt. Zur Strafe? Hatte auch sie das Verbot vernommen? Im Text steht es nicht. Nein, ihre Erstarrung ist die Folge des Blicks.

Wer das Entsetzliche sieht, kann schier erstarren. Das mythische Bild von der Salzsäule ist da ganz realistisch.

Eine genaue Übersetzung des hebräischen Bibeltextes kann aber noch etwas zeigen. Da steht: „Und es blickte seine Frau hinter ihm zurück und sie wurde zur Salzsäule.“ Lot ging voran und seine Frau hinter ihm. Wäre er neben ihr gegangen, so eine jüdische Auslegung, hätte er ihr beistehen können.

Traumatische Erfahrungen lassen Menschen erstarren. Damit sie nicht gänzlich versteinern, sollen die Anderen – gerade in der Familie – sie nicht hinter sich lassen, sondern mit ihnen gehen und ihnen beistehen.

Jürgen Ebach

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